Ohrinfektion bei Babys: Anzeichen, wann man einen Arzt aufsuchen sollte und Behandlung

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    Mittelohrentzündungen sind der häufigste Grund, warum Eltern Babys und Kleinkinder zum Kinderarzt bringen. In den Vereinigten Staaten führen sie zu mehr als 30 Millionen Arztbesuchen pro Jahr. Zu wissen, wie man eine solche Infektion erkennt, wann man ärztliche Hilfe suchen sollte und was die Behandlung tatsächlich beinhaltet, nimmt viel von der Angst in einer ohnehin schon stressigen Situation. Hier ist der vollständige, evidenzbasierte Leitfaden.

    Was ist eine Mittelohrentzündung bei Babys?

    Die meisten Ohrinfektionen bei Babys und Kleinkindern sind akute Mittelohrentzündungen (AOM) – eine Infektion des Mittelohrs, des Raums hinter dem Trommelfell. Sie wird typischerweise durch Bakterien verursacht (am häufigsten Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae oder Moraxella catarrhalis) oder seltener durch Viren, meist als Komplikation einer oberen Atemwegsinfektion (Erkältung).

    Der Mechanismus: Wenn ein Baby eine Erkältung bekommt, schwillt die Eustachische Röhre – der kleine Kanal, der das Mittelohr mit dem Rachen verbindet und normalerweise Flüssigkeit aus dem Ohr ableitet – an und wird blockiert. Flüssigkeit sammelt sich hinter dem Trommelfell an. Diese eingeschlossene Flüssigkeit wird zum Nährboden für Bakterien. Der Druck durch die Flüssigkeitsansammlung verursacht die Schmerzen.

    Babys sind anfälliger als Erwachsene, weil ihre Eustachischen Röhren kürzer, waagerechter und leichter blockierbar sind. Bis zum Alter von 3 Jahren haben etwa 80 % der Kinder mindestens eine Mittelohrentzündung gehabt.

    Anzeichen einer Mittelohrentzündung bei Babys

    Im Gegensatz zu älteren Kindern können Babys nicht sagen, dass ihr Ohr weh tut. Die Anzeichen sind Verhaltensweisen:

    • Am Ohr ziehen oder zupfen: Das bekannteste Anzeichen, obwohl es oft fehlt und manchmal auch bei Babys ohne Ohrinfektion auftritt (zahnende Babys ziehen ebenfalls an den Ohren). Bedeutender in Kombination mit anderen Anzeichen.
    • Vermehrtes Weinen, besonders beim Liegen: Flaches Liegen erhöht den Druck im Mittelohr. Ein Baby, das beim Hinlegen auf den Rücken weint, sich aber im aufrechten Zustand beruhigt, könnte Ohrenschmerzen haben.
    • Gestörter Schlaf: Plötzliche Verschlechterung des Nachtschlafs bei einem zuvor einigermaßen gut schlafenden Baby ist ein häufiges Symptom, besonders wenn es einige Tage nach einer Erkältung auftritt.
    • Fieber: Bei etwa der Hälfte der Ohrinfektionen vorhanden. Oft leichtes Fieber (38–39 °C), kann aber auch höher sein. Siehe unseren Leitfaden zum Fieber bei Babys für die Temperaturbeurteilung.
    • Schwierigkeiten beim Hören oder Reagieren auf Geräusche: Flüssigkeit im Mittelohr kann vorübergehend das Hörvermögen beeinträchtigen.
    • Ausfluss aus dem Ohr: Wenn das Trommelfell durch den Druck reißt (was oft tatsächlich eine Erleichterung ist – der Druck sinkt und die Schmerzen bessern sich), kann eitriger Ausfluss sichtbar sein. Dies erfordert immer einen sofortigen Anruf beim Kinderarzt, heilt aber in der Regel gut.
    • Jüngste Erkältung: Die meisten Ohrinfektionen folgen 3–5 Tage nach einer oberen Atemwegsinfektion. Ein Baby, das einige Tage nach einer Erkältung verstärkte Unruhe, Fieber oder Verhaltensänderungen zeigt, sollte untersucht werden.

    Diagnose einer Mittelohrentzündung

    Ohrinfektionen können nur von einem Arzt genau diagnostiziert werden, der mit einem Otoskop das Trommelfell betrachtet. Eine Beurteilung zu Hause ist nicht zuverlässig. Der Arzt achtet auf: ein vorgewölbtes, undurchsichtiges oder perforiertes Trommelfell; verminderte oder fehlende Trommelfellbewegung; sichtbare Flüssigkeit hinter dem Trommelfell.

    Wenn Sie vermuten, dass Ihr Baby eine Ohrinfektion hat, rufen Sie Ihren Kinderarzt an. Warten Sie nicht, wenn das Baby unter 6 Monaten alt ist, Fieber über 39 °C hat, sehr krank wirkt oder das Ohr Ausfluss zeigt.

    Behandlung: Antibiotika oder abwartendes Beobachten?

    Hier unterscheiden sich die aktuellen Leitlinien von dem, was viele Eltern erwarten. Die AAP-Leitlinien von 2013 (aktualisiert 2022) empfehlen:

    Alter Beide Ohren ODER schwere Symptome Ein Ohr, milde Symptome
    Unter 6 Monate Sofort Antibiotika Sofort Antibiotika
    6–23 Monate Sofort Antibiotika Antibiotika ODER abwartendes Beobachten 48–72 Stunden
    Ab 2 Jahren Sofort Antibiotika Abwartendes Beobachten bevorzugt

    "Abwartendes Beobachten" bedeutet, die Schmerzen mit Ibuprofen oder Paracetamol zu behandeln und 48–72 Stunden zu beobachten. Etwa 70 % der Ohrinfektionen heilen ohne Antibiotika aus. Die Sorge bei zu häufiger Antibiotikaverschreibung gilt der Antibiotikaresistenz und Nebenwirkungen (Durchfall, Hautausschlag) – nicht dem Zurückhalten einer klar notwendigen Behandlung.

    Wenn Antibiotika angezeigt sind, ist Amoxicillin die erste Wahl. Die vollständige Behandlung (typischerweise 10 Tage bei Babys unter 2 Jahren) sollte immer abgeschlossen werden, auch wenn sich die Symptome bessern.

    Schmerzlinderung zu Hause

    • Ibuprofen oder Paracetamol: Die effektivste Behandlung zu Hause bei Ohrenschmerzen. Altersgerechte Dosierung nach Gewicht. Ibuprofen wirkt oft etwas besser bei Ohrenschmerzen aufgrund seiner entzündungshemmenden Wirkung.
    • Warme Kompresse: Ein warmes (nicht heißes) Tuch, das sanft ans Ohr gehalten wird, kann vorübergehend Linderung verschaffen.
    • Aufrechte Position: Das Baby während der Wachzeiten aufrechter halten und das Kopfende der Wiegenmatratze leicht anheben, um den Druck im Mittelohr zu verringern.
    • Weiterfüttern: Die Saugbewegung beim Füttern kann den Ohrendruck vorübergehend verstärken. Wenn das Baby starke Schmerzen hat, können kurze Pausen während des Fütterns helfen.

    Wiederkehrende Ohrinfektionen und Paukenröhrchen

    Manche Kinder haben wiederkehrende Ohrinfektionen (3 oder mehr in 6 Monaten oder 4 oder mehr in einem Jahr). In diesen Fällen ist eine Überweisung zu einem HNO-Arzt sinnvoll, um über Paukenröhrchen (Tympanostomie-Röhrchen) zu sprechen – winzige Belüftungsröhrchen, die unter kurzer Vollnarkose ins Trommelfell eingesetzt werden, um Flüssigkeit abfließen zu lassen und eine Flüssigkeitsansammlung zu verhindern. Die Evidenz für Paukenröhrchen bei wiederkehrenden AOM ist stark, da sie die Häufigkeit der Infektionen und mögliche Hörbeeinträchtigungen reduzieren.

    Für den weiteren gesundheitlichen Kontext siehe unseren Leitfaden zum Fieber bei Babys und unseren Leitfaden für neue Eltern.